Mitte Jänner wurden wir von meinem Schwager inspe zu seiner 30er Feier eingeladen. Diese wird unter dem Motto "Helden der Kindheit" laufen. Da die Einladung am Donnerstag kam und es in meine Stoffgeschäft am Montag eine Aktion mit minus 20% auf Stoffe gab, musste ich mir schnell etwas einfallen lassen. Sowohl mein Mann, als auch ich durchforsteten das Internet nach weiblichen Helden.

Ich selbst habe Charmed, Buffy oder auch Kommissar Rex geschaut. Wenn ich mich als ein Charakter aus einer dieser Serien verkleidet hätte, hätte mich natürlich keiner erkannt, da die Charaktere eigentlich immer Alltagskleidung anhaben.

Mein Mann meinte, wenn ich als Hexe aus Charmed gehe, müssten meine beiden zwei Schwestern ebenfalls diese Charakter wählen und wir müssten immerzu rufen "Die Macht der Drei kann keiner entzweien". tongue-out Für Buffy müsste ich immer einen Holzpflock mit mir herumtragen und auch dann wäre es sehr schwer zu erkennen. Für Kommissar Rex könnte ich wenigsten den Stoffhund, den ich noch von damals habe an eine Leine hängen, aber auch den müsste ich immer mitnehmen.

Dann dachte ich an Grisu den Drachen. Das war ein kleiner Drache, der einmal Feuerwehrmann werden wollte. Ein Arbeitskollege schaffte es dann, mich am Montag dazu zu überreden.

Also machte ich mir Gedanken über die Schnittmuster. Ein grünes Kleid hatte ich mir schon letztes Jahr zur Geburtstagsfeier einer meiner Schwestern genäht. Da sie zu St. Patricks Day Geburtstag hat, waren wir da immer unterwegs und deshalb brauchte ich etwas grünes.

Dazu würde ich mir eine grüne Leggins machen. Vielleicht noch Flügel. Dann brauchte ich unbedingt auch eine Tasche, wo ich meine Sachen verstauen konnte. Wenn ich genug Zeit hätte, könnte ich mir vielleicht auch einen Schwanz nähen. Als ich über die Anbringung nachdachte, kam mir auch die Idee den Schwanz mit einem Gürtel zu befestigen und als Tasche könnte ich mir dann eine Gürteltasche machen. Vielleicht auch noch Stulpen für Armen und Beine, damit auch die Schuhe farblich nicht so hervorstechen.

Also habe ich mir am Nachmittag dann den ganzen restlichen Ballen grünen Stoff mit nach Hause genommen. Da ich meine Bekleidungsstoffe immer vorwasche, war das natürlich recht amüsant, als ich den Stoff zum Trocknen aufhängen wollte. Immerhin waren ganze 7 Meter. 

1. Teil: Die Leggins

Da dann die Weihnachtsmärkte waren und ich auch so viel Stress hatte, begann ich erst nach Weihnachten mit dem Nähen. Ich hatte schon ein paar Leggins-Schnittmuster zu Hause, aber leider haben die mir nicht so gepasst. Also musste ich im Internet nach einem Schnittmuster suchen. Bei der Weihnachtsaktion von Makerist habe ich dann auch ein Schnittmuster gefunden: TRUNK von der Schnittmusterherstellerin Shhhout!.

Diese Hose hat mir dann auf Anhieb gepasst. Sie wird mit einem 4 cm breiten Gummibund genäht und ist sehr einfach zu nähen. Nur zum abstecken der Länge musste ich mal wieder meine Mutter fragen. Das waren dann sogar mehr als 10 cm, die der Hosenbeine für mich zu lang waren. Nach dem Umnähen des Saums habe ich noch an jedem Bein ein Gummiband eingenäht, damit die Leggins später beim Tragen nicht immer hinaufrutschen würde. Das habe ich mittlerweile auch bei meinen gekauften Leggins gemacht. 

2. Teil: Die Flügel

Als die Hose fertig war, war das nächste wichtige Teil fürs Kostüm die Flügel. Lange habe ich im Internet nach einem Schnittmuster gesucht und leider nichts gefunden. Ich habe nur eine PDF für einen kleinen Flügel gefunden. Leider konnte ich nicht herausfinden, wer diese ins Netz gestellt hatte. In der Anleitung war nur eine Skizze von einem Flügel. Diesen habe ich mir ausgedruckt und freihändig und vergrößert auf Backpapier aufgetragen. Sobald ich zufrieden war, habe ich die NZ von 1 cm eingezeichnet.

Da ich mit einem Jersey-Stoff arbeitete, habe ich das SM zuerst auf Vliesaufgebracht (für solche Sachen verwende ich das von Buttinette, wo 25 Meter auf einer Rolle sind). Durch das Vlies wurde der Stoff unelastisch. Anschließend habe ich das SM ohne NZ aus Volumenvlies ausgeschnitten (das war glaube ich so 2 cm dick). Das Volumenvlies habe ich mithilfe von Sprühkleber (von Prym) am Vlies der Vorderseite fixiert. Dann habe ich am Umfang entlang genäht. Die Ecken und Kanten eingeschnitten und die Teile gewendet. Danach habe ich alle Ecken gut ausgeformt und alles mit Nadeln gut fixiert, damit auch nichts verrutschen kann. Dann habe ich zwei sichtbare Nähte angebracht, die mit etwas dunklerem Garn genäht wurden, damit sie sich etwas von Hintergund abhebten. 

Als ich fertig war und die Flügel an meiner Schneiderpuppe fixiert hatte, ist mit die Idee gekommen, wie ich die Flügel so montieren konnte, dass ich das Kleid auch nachher noch einzeln anziehen konnte. Ich würde die Flügel an einer Jacke anbringen. 

Da musste ich an das erste Kleid denken, dass ich für mich genäht hatte. Es war ein Burdaschnitt, in dem auch eine Jacke enthalten war. Das Kleid hatte ich nur einmal getragen (Ich habe damals noch zu viele Fehler gemacht, die mir erst im Nachhinein aufgefallen sind), aber die Jacke konnte ich zu jedem Kleid bisher tragen. So habe ich das Schnittmuster erneut übertragen. Dieses mal auf Backpapier (normalerweise nehme ich Seidenpapier, wenn ich Schnitte abpause). So konnte ich noch Änderungen machen, nachdem ich den Schnitt abgepaust hatte. Ich nahm an der oberen Seite noch etwa 10 cm weg, da sich hier zuviel Stoff war. Mein Mann half mir dann bei der Positionsbestimmung der Flügel. 

Da ich Angst hatte, dass die Flügel später zu schwer für die Naht sein könnten, habe ich an die mittlere Naht vorher noch Vlies angebracht um alles zu stabilisieren. Die Jacke war schnell fertig genäht (die Ärmel werde ich wahrscheinlich erst nächste Woche kürzen).

3. Teil: Der Schwanz

Nun hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Also legte ich mir die Backpapierrolle auf dem Boden aus und probierten den ganzen Tag herum. Ich entschied mich schließlich dafür den Schwanz aus drei Teilen zu machen: zwei gleiche Teile für den oberen Teil und ein Dreieck unten.

So zeichnete ich das erste Teil auf und positionierte die Schwanzzacken. Als ich mit diesem Teil soweit zufrieden war, zeichnete ich noch die NZ ein. Das Unterteil war etwas kniffliger. Zuerst habe ich mir die Länge des Schwanzes ausgemessen und diese auf einer gezeichneten Linie übertragen (75 cm). Nun machte ich mir auch Gedanken über die Rückseite. Ich entschied mich diese als Kreis zu designen. Der Kreis sollte einen Durchmesser von 20 cm haben. Ich habe mir das erste Teil ausgemessen und die restlichen 14 cm an der Linie eingezeichnet, die ich mir zuvor für das untere Teil gezeichnet habe. 

Als nächstes habe ich dann alles aus Stoff zugeschnitten. Bei den Schwanzzacken habe ich dann jede Zacke extra genäht und noch ein Volumenvlies miteingenäht. So würden die Spitzen später stand haben, aber nicht so dick ausfallen. Nach dem Nähen schnitt ich den Stoff an den Ecken und Kanten ein, damit diese sich später gut wenden lassen würden. 

Nach dem Wenden formte ich die Spitzen gut aus und nähte an der Schwanzlinie entlang nach unten (wieder mit dem etwas dunkleren Garn).

An den unteren Kanten nähte ich dann das Dreieck ein, wobei ich an einer Kante eine Wendeöffnung ließ. Anschließend habe ich mir auf den Kreis für die Rückwand Decovil aufgebügelt (sehr strenges Vlies. Es wird meist für Geldbörsen oder Taschen verwendet). Damit ich später einen Gürtel befestigen konnte, habe ich mir noch einen Tunnelzug in der Mitte des Kreises aufgenäht, den ich ebenfalls mit Decovil verstärkt habe. Dieses Kreis habe ich dann an den Schwanz angenäht. Nach dem Wenden des Schwanzes musste ich ihn nur noch mit Füllwatte (Polster Slan) stopfen und die Wendeöffnung schließen. 

Da der Gürtel noch nicht fertig war, habe ich den Schwanz zur Probe auf meine Kleiderpuppe gehängt.

 

Nun musste ich mein Kostüm aber unterbrechen, da mich meine Schwester bat, auch für sie ein Kostüm zu nähen (Yoshi). Da der Rest für mich nur noch Kleinigkeiten sind, die für die ich jeweils nicht all zu lange brauchen würde, habe ich zugesagt. Also war das für heute. Sobald ich ein weiteres Teil für meinen Grisu habe, werde ich wieder etwas schreiben.

[Leoben, 02.01.2018]

Nach dem Kostüm für meine Schwester waren auch die Aufnäher für das Hemd, welches mein Mann als Kostüm verwendete dran. Erst als diese beiden Kostüme fertig waren, konnte ich erst wieder meinem widmen.

Hierfür nähte ich mir zuerst eine Gürteltasche (Wallaby von Farbenmix). Da auch diese Tasche der grüne Jersey verwendet wurde, habe ich hier alle Teile mit dünnem Vlies unterlegt. Auf der Vorderseite habe ich noch einen Drachen aufgestickt (aus dem Set Drachen Silhouette von Susi-Knuddelbunt).

Nachdem auch die Tasche fertig war, fehlte nur noch der Gürtel. Hierfür habe ich einen 10cm breiten Stoffstreifen in die Hälfte gelegt und mit 1 cm NZ an der langen Kante zugenäht. Auf ungefähr ein Drittel der Länge habe ich eine kleine Wendeöffnung gelassen, damit ich den Gürtel gut wenden konnte. Dann habe ich den Streifen so gebügelt, dass die Naht in der Mitte war. An jedem Ende habe ich dann nocheinmal eine Naht gesetzt, die normal zur vorherigen Naht liegt. Nun musste ich den Gürtel wenden.

Hierfür habe ich eine Kunststoffleiste benutzt, die man in jedem Baumarkt bekommt. Sobald ich den Gürtel gewendet hatte, musste ich ihn wieder gut bügeln, damit die Nahtzugaben innen auch wirklich schön flach lagen. Aus Decovil habe ich mir dann drei Teile ausgeschnitten (4*20cm). Das erste Teil habe ich den Gürtel geschoben (mit der Klebeseite nach vorne). Dieses Teil schob ich in die Mitte des Gürtels. Dies sollte als Verstärkung dienen, da hier später der Schwanz hängen würde. Anschließend habe ich dn Gummibund (4cm breit) an das zweite Vliesteil überlappend mit einem Zickzack-Stich angenäht. Durch die Überlappunge konnte ich den Gummi noch ein zweites Mal am Vlies annähen. Dann legte ich mir den Gummi um und konnte so die Länge des Gummis ausmessen. Hierbei musste ich daran denken, dass die Stelle, an der das Vlies war, später als Verschluss dienen würde und deshalb überlappend zu bemessen war.

Nach dem Abschneiden des Gummis, wurde auch das zweite Ende auf Vlies genäht. Danach musste ich die Vliesteile (mit der Klebefläche nach vorne) in den Gürtl schieben. Hierfür verwendete ich wieder die Kunststoffleisten. Es immer wieder etwas knifflig, aber dann hatte ich es geschafft. Sobald die äußeren Enden waren, konnte ich diese auch schon festbügeln und die Wendeöffnung hinten schließen. Nach einem kurzen Anprobieren, konnte ich auch schon die Kam-Snaps an der verstärkten Vorderseite anbringen. Hier musste ich nur darauf achten, dass ich die Kam-Snaps nicht an der Stelle anbrachte, wo ich den Gummi mit dem Vlies verbunden habe. Diese Stellen waren nämlich zu dick für die Kam-Snaps.

Als ich fertig war, merkte ich, dass ich die Ärmel von der Jacke noch machen musste. Mein Mann merkierte mir den Stoff, während ich die Jacke trug. Da ich einen Rollsaum machen wollte, musste ich hier keine Nahtzugabe mehr einfügen und konnte so den Stoff einfach abschneiden. Der Rollsaum war dann auch schnell genäht. An der Außenseite nähte ich mir dann noch auf jeder Seiten einen Gummi an, damit ich diesen über meinen Mittelfinger streifen konnte.

Am Samstag war ich dann startklar für die "Helden deiner Kindheit"-Party.

[Leoben, 13.01.2018]

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